Nicht nur atemlos, sondern bald auch hoffnungslos?

Hansa Dortmund mit deutlicher Klatsche beim Tabellenführer Aachener SV

Helene Fischer singt „Atemlos“. Atemlos wird der Hansa-Fan, wenn er sieht, dass sein Flaggschiff bald hoffnungslos zu sein scheint, dem Abstieg aus der 2. Bundesliga West auf den ersten Blick bald wehrlos entgegen taumelt. Denn auch wenn der Aachener SV von der Tabellenspitze grüßt und sich möglicherweise mit dem Gedanken befasst, sich in das Haifischbecken der Schachbundesliga zu wagen, darf man sich nicht so präsentieren, wie es unsere 1. Mannschaft in dieser Saison aber tut, es auch am 20.01.2019 schon wieder getan hat.

Teamchef FIDE-Meister (FM) Michael Babar war nach der Begegnung sichtbar angefressen und enttäuscht. Denn einerseits erscheinen die Probleme hausgemacht und ziehen sich wie ein roter Faden durch die bisherige Spielzeit. Andererseits spielt die Mannschaft unterhalb ihrer Möglichkeiten, auch heute hätte man nominell nicht ein solches Desaster erleben dürfen.

B. Heberla

Obwohl man erneut auf den serbischen Großmeister (GM) und die Nr. 1 Robert Markus verzichten musste, war man frohen Mutes, denn die Nr. 2 unseres Clubs, der polnische GM Bartlomiej Heberla, stand am Spitzenbrett zur Verfügung. Mit zwei Ersatzleuten an den Brettern 7 und 8, Jannik Sundorf und Mannschaftsführer Michael Babar, rechnete man sich Chancen aus, den Kaiserstädtern das Leben schwer zu machen und Punkte heim in den Pott zu entführen. Doch urplötzlich war er wieder da, dieser vermaledeite rote Faden. Kurzfristig fiel am 2. Brett GM Romuald Mainka aus persönlichen Gründen aus, und zwar so kurzfristig, dass es nicht gelang, einen weiteren Ersatzspieler ans Brett zu bekommen. Diese mentale und tatsächliche Bürde lastete bereits auf der Hinfahrt von Dortmund nach Aachen auf dem Team, ließ Stimmung und Hoffnung in Richtung Nullpunkt sinken.

Von diesem Schock erholte sich das Team nicht mehr, von diesem 0:1-Rückstand noch vor dem ersten Zug. Am Ende des Tages gewann der Aachener SV völlig ungefährdet mit 6:2. Bartlomiej Heberla konnte an Brett 1 als einziger seine Partie siegreich gestalten. Der Internationale Meister (IM) Vyacheslav Klyuner am 3. Brett, IM Dr. Christian Scholz an Brett 4 und unser Deutscher Polizeischach-Serienmeister, dessen Titelabonnement zuletzt unterbrochen wurde, FM Ralf Kotter, standen anfangs zwar gar nicht so schlecht. Aber je länger ihre Partien andauerten, desto schlechter wurden ihre Positionen und damit unsere Hoffnungen.

Kurzum: Unsere „Mittelachse“ sorgte in diesem Mannschaftskampf für eine lange Rochade, 0-0-0, drei Partieverluste. Mit dem Rucksack der kampflosen Niederlage am 2. Brett war dies spürbar zu viel. Zwar stand an Brett 6 IM Dr. Arkadius Kalka auch nicht rosig, Arek konnte indes noch zum Remis abwickeln. Jannik Sundorf konnte am 7. Brett seinen Punkt ebenfalls immerhin teilen. Dafür biss aber an Brett 8 der Teamchef FM Michael Babar ins Gras, ohne dass sich sein Gegner über Gebühr anstrengen musste.

Das war´s: ein schmuckloses 2:6, in Aachen, das kein Aufbäumen sichtbar werden ließ.

Jammern hilft aber nicht, trotz hausgemachter Widrigkeiten und unglücklicher Verkettungen. Zwei starke Spieler wurden zu spät gemeldet. Diese beiden Spieler waren jedoch ursprünglich fest eingeplant, die Saison- und Personaleinsatzplanung waren auf sie abgestimmt. Und gerade dieser Umstand zieht sich, neben kurzfristigen und überraschenden Ausfällen sowie anderweitigen Prioritäten, wie ein roter Faden durch die bisherige Saison. Besonders schmerzlich, dass zudem mehrere Spieler noch gar keine Zeit für Einsätze fanden, mit bisher erst 13 Aufgelaufenen ist es schwierig, die zwei Ziele der Mannschaftsführung umzusetzen: Klassenerhalt von 1. und 2.
Die 1. Mannschaft leidet zwangsläufig nunmehr darunter, dass sie diese Ausfälle noch nicht einmal durch Kaderspieler aus der 2. Mannschaft auffüllen kann. Denn diese hat selbst noch nicht den Klassenerhalt in trockene Tücher gebracht, weshalb sich ihre Spieler nicht zu früh in der 1. festspielen sollen. Hinten und vorne, in der 1. und in der 2. Mannschaft, fehlt es demnach an Personal.

Das Motto kann nun nur noch lauten: Mund abputzen und hoffen, dass unsere etatmäßigen Spieler Zeit und Laune finden, den drohenden Abstieg doch noch zu verhindern und unseren „Managementfehler“ zu heilen. Die nächste Gelegenheit bietet sich am 03.02.2019, wenn wir im heimischen Westfalen-Kolleg die 2. Mannschaft des SV Mülheim Nord empfangen. Die Reserve des Erstligisten ist uns bereits zwei Zähler voraus und befindet sich am rettenden Ufer, wenn man unterstellt, dass DJK Aufwärts Aachen II tatsächlich in die Oberliga NRW zwangsabsteigen muss.

Ein Sieg ist Pflicht, anderenfalls gehen die Lichter in der 2. Bundesliga frühzeitig komplett aus und es winkt nach mehr als einem Jahrzehnt Bundes- und Zweitligaschach erstmals der Gang zurück in die Oberliga NRW.

Daher ist die physische Anwesenheit und Unterstützung unserer Fans und Mitglieder an diesem Tag besonders wichtig!


Ehrenvorsitzender Andreas Warsitz

MannschaftSpMPBPBW
1. Aachener SV 5 9 25 114
2. DJK Aachen II 5 8 25½ 111
3. SG Solingen II 5 7 22½ 92
4. Bochumer SV 02 5 5 20 86½
5. SC Remagen Sinzig 5 4 20 98
6. SV Koblenz 5 4 19 84½
7. TSV Schott Mainz 5 4 18½ 92½
8. SV Mülheim Nord 1931 II 5 4 16½ 74½
9. SV Oberursel 5 3 17½ 73
10. SC Hansa Dortmund 5 2 15½ 74