Vier, drei, zwei oder: Die 4. Runde bringt am 3. Advent die ersten 2 Punkte!

Auf diese kurze Faustformel lässt sich der mit 4,5:3,5 hart erkämpfte Erfolg gegen unsere Gäste aus dem Taunus, den SV Oberursel, herunterbrechen. Mit Ruhm hat sich unser Flaggschiff dabei wahrlich nicht bekleckert, aber den vielleicht letzten Strohhalm, den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga West doch noch zu packen, ergriffen.

Wir hatten darauf gehofft, etwas mehr PS auf die Strecke bringen zu können als in den ersten 3 Runden. Das ist uns am 3. Adventssonntag gelungen. Das Resultat war das erhoffte, ein – wenn auch knapper –  Sieg gegen den SV Oberursel.

Wir waren um fast 200 ELO-Punkte durchschnittlich pro Brett schwergewichtiger als unser Gast. Mannschaftsführer Michael Babar hatte daher erwartet, dass es zu einem deutlichen Erfolg gegen Oberursel reichen würde. Aber weit gefehlt…

Unsere Nr. 1, der serbische Großmeister (GM) RóbertMarkús, wurde Opfer der Wetterkapriolen, er musste kurzfristig absagen: 6 Stunden Autofahrt, um den nächsten Flughafen zu erreichen, das Ganze bei winterlichem Wetter. Róbert unternahm einen Versuch, denn in diesem richtungsweisenden Kampf wollte er seine Mannschaftskameraden selbstverständlich nicht im Stich lassen. Aber es blieb bei diesem nicht von Erfolg gekrönten Versuch. Somit stand bereits vor dem 1. Zug eine Niederlage auf unserem Kontoauszug.

Aber nicht nur Wind und Wetter, sondern auch plötzliche Erkrankungen bringen Planungen ins Wanken. So musste die Nr. 2 unserer Gäste, der Internationale Meister (IM) Axel Heinz, krankheitsbedingt absagen. Kurioser Beginn eines Wettkampfes, bei dem die ersten beiden Bretter aus persönlichen Gründen frei bleiben mussten. Vor dem ersten Zug stand es also bereits 1:1.

Der Deutsche Schachbund belastet wichtige Gründe fehlender Spieler mit einer Geldbuße, die bereits am gleichen Abend festgesetzt wurde: Beide Vereine müssen 100 € zahlen. Eine solch rasche und verbindliche Vorgehensweise ist vorbildlich. Jedoch wäre es für 9 Teams in der 2. Bundesliga West wünschenswert, wenn der DSB auch genauso verbindlich die Abstiegsregelung kommunizieren würde, die sich aus dem Rückzug des DJK Aufwärts Aachen aus der Schachbundesliga mit Blick auf die 2. Mannschaft hier ergeben wird. Eigentlich scheint das Regelwerk sonnenklar zu sein. Andererseits war bislang weder dem DSB in Gänze noch dem Staffelleiter Jürgen Kohlstädt ein unmissverständliches Wort zu entlocken. Eine konkrete Anfrage wurde lapidar und vage beantwortet: „In der Regel ist das so.“. Ausnahmen werden also akzeptiert, um den Aachenern möglicherweise sofort die Chance zur Rückkehr zu bieten? So müssen nun 9 andere Mannschaften im Ungefähren leben und planen und infolgedessen (un-) wirtschaftlich kalkulieren.

Nun aber endlich zum Spielverlauf, denn trotz des Spielstandes von 1:1 zu Beginn des Kampfes wurde ja noch kein einziger Zug absolviert.

IM Vyacheslav Klyuner spielt eine sehr gute Saison. Nach seinem Partiegewinn gegen Oberursel sprechen 2,5 Punkte aus 3 Partien eine eindeutige Sprache. Mit den schwarzen Steinen erreichte er an Brett 3 gegen den FIDE-Meister (FM) Robert Schlamp eine vollkommen ausgeglichene Stellung. Dieser wollte aber anscheinend mehr als das sich abzeichnende Remis und gab stattdessen einen Bauern, den IM Klyuner sicher zum Gewinn einfuhr.

Am 4. Brett spielte IM Dr. Christian Scholz gegen den nigerianischen Kontinentalmeiser IM Thomas Oparaugo. Unser IM zeigte eine tadellose Leistung und gewann eindrucksvoll!

An Brett 5 tat sich IM Olaf Wegener anfangs schwer. Er verbrauchte zu viel Zeit. Aber nach deutlich mehr als 3 Stunden konnte er seine Stellung konsolidieren und stand leicht besser. In Zeitnot ließ der Oberurseler Samuel Weber dann die entscheidende Attacke Olafs zu und hatte das Nachsehen. Olaf gewann damit ebenfalls sicher seine Partie.

Am 6. Brett stand unser „Nestor“, FM Hans Werner Ackermann,zunächst sehr komfortabel. Indes verbrauchte er sehr viel Zeit, nachgerade zu viel Zeit. Denn gefühlt musste er 15 Züge in bloß einer Minute, bei 30 Sekunden Inkrement, absolvieren. Er begann, ungenau zu spielen und musste letztlich dem Taunussteiner Thomas Falk die Hand zur Aufgabe reichen.

An Brett 7 besaß FM Ralf Kotter, der jüngst entthronte Serienmeister der Deutschen Polizei-Schachmeisterschaften, von Anfang an eine gute Stellung. Sein Gegenüber, der Pole Marcin Olesiak, wollte einen Springer opfern. Leider hatte sich Ralf verrechnet und ließ einen starken Angriff zu, der ihm am Ende die Partie kosten sollte.

Mannschaftsführer FM Michael Babar hatte es mit den weißen Steinen am 8. Brett mit der französischen Verteidigung seines Gegners Dr. Ralph Neininger zu tun. Ohne martialischen Kampfgeist beließen es beide bei der Theorie und einigten sich unspektakulär auf ein Remis, welches schlussendlich den erhofften doppelten Punktgewinn bescherte.

Der Teammanager Babar hatte eigentlich mehr erwartet: „Ehrlich gesagt hatte ich mir einen klareren Sieg vorgestellt. Aber Oberursel hat schon in den ersten 3 Runden gezeigt, dass mit diesem Team zu rechnen ist und dieses nicht so leicht zu schlagen ist, gleichgültig in welcher Besetzung. Aber es ist ja noch einmal gut gegangen.“. So weit also das Wort zum 3. Adventssonntag unseres Mannschaftsführers, der sich über das 4,5:3,5 dennoch sehr gefreut hat.

Dieses erste Erfolgserlebnis nach fast der Hälfte der Saison war aber bitter nötig. Denn leider lief der Spieltag aufgrund der Resultate in den weiteren Begegnungen nicht gut für uns. Der Bochumer SV 02 triumphierte überraschend und deutlich beim Aufstiegsaspiranten TSV Schott Mainz. Die Reserve des Schachbundesligisten SV Mülheim Nord luchste etwas überraschend dem SC Remagen Sinzig beide Zähler ab. Mit alledem war nicht unbedingt zu rechnen. Aber wir konnten dennoch den letzten Tabellenplatz verlassen und die rote Laterne an den Mannschafts- und Brettpunktgleichen SV Koblenz dank der besseren Feinwertung abgeben. Ein Ruhekissen ist das aber längst noch nicht. Denn ohne eine spürbare Steigerung gehen die Lichter an unserem Adventskranz langsam aber sicher aus.

Am 20.01.2019 müssen wir beim Aachener SV antreten. Die Kaiserstädter grüßen von der Tabellenspitze aus und spielen eine hervorragende Saison. Da bereits jetzt abzusehen ist, dass wir erneut ersatzgeschwächt antreten müssen, kann unser Ziel bei dem klaren Favoriten nur lauten, so viele Brettpunkte wie möglich mitzunehmen. Wobei: Warum sollte auch uns nicht einmal ein Paukenschlag gelingen?

Für den Moment bedankt sich die 1. Mannschaft erst einmal bei allen Spielern, Helfern und Daumendrückern, denen das Schicksal unseres Flaggschiffes nicht gleichgültig ist, die mit uns fiebern und uns die Daumen drücken.

Wir wünschen allseits ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Übergang in ein gesundes, friedliches, Zufriedenheit und Erfolg bringendes neues Jahr 2019.

Tabelle nach Runde 4

Mannschaft Sp MP BP BW
1. Aachener SV 4 7 19 88½
2. DJK Aachen II 4 6 20 86
3. SG Solingen II 4 5 16½ 70
4. SC Remagen Sinzig 4 4 16½ 83½
5. TSV Schott Mainz 4 4 16 82
6. SV Mülheim Nord 1931 II 4 4 14½ 60½
7. Bochumer SV 02 4 3 15½ 65
8. SV Oberursel 4 3 15 62
9. SC Hansa Dortmund 4 2 13½ 63½
10. SV Koblenz 4 2 13½ 59
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