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Neues Spiel, aber noch immer kein neues Glück

Am Totensonntag fuhren wir anlässlich der 3. Runde in der 2. Bundesliga West mit dem fast letzten Aufgebot nach Koblenz, um dort trotz zahlreicher Absagen von Stammspielern und unserer „Profis“ mit 5 Spielern aus der 2. Mannschaft das Unmögliche möglich zu machen. Denn der SV Koblenz, der ebenfalls die beiden Auftaktrunden verloren hatte, war im Durchschnitt mit ca. 140 ELO-Punkten pro Brett besser besetzt, demzufolge klarer Favorit. Am Ende eines langen Tages setzte sich der Favorit und Gastgeber auch durch. Aber so klar wie erwartet, war es wahrlich nicht. Aber alles nach der Reihe…

An Brett 7 spielte Wolfgang Burchert mit den weißen Steinen gegen Dr. Thomas Bohn und damit gegen die Französische Verteidigung. Der Koblenzer misshandelte seine Eröffnung völlig, spielte einige Züge, die man in diesem Aufbau besser unterlassen sollte. Wolfgang hingegen erhielt dafür einen starken Angriff. Um es vorweg zu nehmen: Niemand ahnte zu diesem frühen Zeitpunkt, welche Bedeutung der Ausgang dieser Partie für das Mannschaftsergebnis haben würde. Wolfgang konnte nach Tf5 diesen einfach mit dem weißfeldrigen Läufer schlagen, danach selbst Tg7 opfern und mit 2 Figuren weniger auf Matt oder Damengewinn spielen. Leider ließ er diese Chance aus und verlor seine Partie. Hier blieb also etwas Zählbares für uns liegen.

Kurze Zeit später verlor FIDE-Meister (FM) Michael Babar am 4. Brett unachtsam und ohne große Not einen Bauern und damit auch schon folgerichtig die Partie zum Zwischenstand 0:2.

Christian ScholzAn Brett 2 war unser Internationaler Meister (IM) Dr. Christian Scholz nicht gut aus seiner Eröffnung herausgekommen. Gegen den litauischen Großmeister (GM) in Diensten der Moselstädter, Sarunas Sulskis, verlor er seine Partie zum 0:3.

Erneut kam Jens Zelt, dieses Mal am 5. Brett, für uns zum Einsatz. Seine Stellung schien insgesamt ausgeglichen. Dennoch verlor er gegen den Koblenzer FM Neil Stewart am Ende den Faden und es stand nun 4:0 für Koblenz.

Nachdem sich nun alle Zuschauer einig waren, dass wir mit einer herben Packung die Heimreise antreten mussten, wendete sich das Blatt plötzlich etwas zu unseren Gunsten. Immerhin erwachte unser Kampfgeist, wir wollten nicht auf der Schlachtbank liegen bleiben.

Am Spitzenbrett überspielte unser IM Vyacheslav Klyuner den ungarischen GM Imre Balog, immerhin mit stolzen 2559 ELO-Punkten ausgestattet, und gewann eine souverän geführte Partie. Nur noch 1:4 gegen uns. Ging doch noch etwas?

Ja, es schien doch noch etwas zu gehen. Denn an Brett 8 sah sich Wolfgang Prüske, der zunächst nicht so gut stand, plötzlich mit 3 Bauern im Vorteil. Tatsächlich gewann er auch seine Stellung gegen Dr. Wolfgang Polster, der immerhin um fast 250 ELO-Punkte schwergewichtiger war als unser Wolfgang. Somit konnten wir auf 2:4 verkürzen.

Unser zartes Pflänzchen Hoffnung ging aber am 6. Brett ein. Dort kämpfte unser 2. Vorsitzender Walter Linker zuvorderst mit einer starken Erkältung, mit der er nichtsdestotrotz angereist war und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hatte. Walter wehrte sich nach besten Kräften nicht nur gegen seinen Schnupfen, sondern auch gegen eine ELO-Differenz von etwa 120 Punkten, die sein Gegenüber Marc Repplinger in die Waagschale warf. In einem Turm- und Springerendspiel war aber nur ein Remis zu ergattern. Damit war´s vorbei, die 2 Mannschaftspunkte blieben bei den sehr sympathischen und gastfreundlichen Hausherren in Koblenz.

Immerhin entdeckte an Brett 3 unser Serien- und Rekordsieger der Deutschen Polizei-Schachmeisterschaften, FM Ralf Kotter, seine Kampfeslust und besiegte FM Lutz Fritsche. Auf dem Papier war dies aber bloß noch Ergebniskosmetik, denn es hieß final 4,5:3,5 für den SV Koblenz.

Die Niederlage war angesichts unserer Aufstellung durchaus erwartungsgemäß. Dennoch haben wir es verpasst, überraschend etwas aus der Moselstadt mitzunehmen. Wenn Wolfgang Burchert gewonnen und Michael Babar schlicht und ergreifend besser aufgepasst hätte, wäre uns bereits heute ein wichtiger Befreiungsschlag gelungen. Trotz der ELO-Dominanz der Koblenzer war für uns deutlich mehr möglich als diese „ehrenhafte“ Niederlage. Der Mannschaftsführer Babar äußerte sich dazu auf der Rückreise wie folgt: „Vor dem Kampf wäre ich mit den gewonnenen 3,5 Brettpunkten sehr glücklich gewesen. Das muss ich jetzt wohl auch sein muss. Dennoch war hier mehr zu holen.

Damit zieren wir nach den ersten 3 Runden nun tatsächlich das Tabellenende mit 0:6 Zählern und 9 Brettpunkten.

Mannschaft Sp MP BP BW
1. Aachener SV 3 5 14½ 65
2. SG Solingen II 3 5 13 57½
3. TSV Schott Mainz 3 4 14 70
4. DJK Aufwärts Aachen II 3 4 14 58½
5. SC Remagen Sinzig 3 4 13 63
6. SV Oberursel 3 3 11½ 48½
7. SV Koblenz 3 2 11½ 50½
8. SV Mülheim Nord 1931 II 3 2 10 45
9. Bochumer SV 02 3 1 41
10. SC Hansa Dortmund 3 0 9 41

In der 4. Runde beim Heimkampf am 16.12.2018, müssen wir uns dringend selbst zum bevorstehenden Weihnachtsfest bescheren. Wir erwarten dann den SV Oberursel. Die Hessen, die als ELO-schwächstes Team eigentlich zu den Abstiegskandidaten zählen, performen bislang wirklich hervorragend und belegen mit 3:3 Punkten den aktuell 6. Platz. Auch wenn mit der 2. Mannschaft des DJK Aufwärts Aachen der erste Absteiger aufgrund des Rückzuges vor Saisonbeginn des 1. DJK-Teams aus der Schachbundesliga festzustehen scheint – Auf unsere konkrete Nachfrage hierzu meinte der Staffelleiter Jürgen Kohlstädt etwas kryptisch: „In der Regel ist das so.“, kommt dieser Begegnung für uns schon Endspielcharakter zu. Wenn wir unsere PS, d.h. ELO-Riesen, nicht endlich einmal auf die Strecke bekommen, ist der Zug alsbald für uns abgefahren. Es wäre sehr schade, wenn so sang- und klanglos eine jahrelange und bemerkenswerte Reise unseres Clubs durch die 1. und 2. Bundesliga enden würde. Dazu wollen wir es nicht kommen lassen.

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