Hansa II nach Heimsieg auf Aufstiegskurs?

Quiz-Frage: Was machen zwei Frauen, zwei Perser, ein Portugiese und ein Ungar so wie ein paar andere Herrschaften an einem Sonntag um 14 Uhr in einem Kühlschrank? Antwort: Im Westfalenkolleg Schachspielen. Und vielleicht zuvor noch eine Runde Friedenspfeife rauchen.
Der vorgezogene Mannschaftskampf der 6. Runde der Bezirksliga begann dank der zahlreichen Helfershände pünktlich um 14:00 Uhr. Die Begegnung gegen Huckarde-Westerfilde II gab es bereits letzte Saison im Februar 2025 mit nahezu gleicher Besetzung. Damals konnten wir auswärts 5:3 gewinnen und sicherten mit dem Sieg den Klassenerhalt. Diesmal ging es um mehr.
Bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt und innen gefühlt im einstelligen Bereich mochte man sich nicht so recht von den Jacken trennen. Alle zogen die Figuren schnell übers Brett, wodurch es nach ein paar Minuten etwas wärmer wurde. Am Spitzenbrett war ich noch mit meiner Cambridge-Springs-Verteidigung beschäftigt, als ich am Nachbarbrett die freundschaftliche Konversation wahrgenommen habe. Daniela und ihr Gegner haben sich nach vier Zügen und zehn Minuten auf Remis geeinigt. Als hätte Bahram sich vom Rauch der Friedenspfeife angesteckt, remisierte er zwei Minuten später auch. 1:1 nach nicht einmal eine Viertelstunde.
Dann dauerte es eine Weile, bis sich wieder etwas tat. Detlevs Gegenüber kam etwas spät an, war mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache und kam irgendwann in Bedrängnis. Lxg2 und eine Dame in der Diagonalen dahinter ließen wenig Gegenchancen zu, so konnte Detlev, Hansas langjährigstes aktives Mitglied, seiner sehr guten Saisonleistung die Krone aufsetzen und gewann. Zuvor hatte ich mich nach c5 aus der passiven Stellung befreit und stand im Mittelspiel vielleicht minimal besser. Die Stellungen an den übrigen Brettern sahen ausgeglichen bis vielversprechend aus, so dass ich dem Remis Angebot meines Opponenten zustimmte. 2,5-1,5.
Jan war als nächster Friedensstifter dran. In einer ausgeglichenen Stellung im Mittelspiel ginge vielleicht ein Springeropfer gegen drei Bauern, aber mit unklarem Ausgang. Kurze Zeit einigten sich Angela und ihr Gegenüber nach dem Doppelabtausch der Läuferpaare ebenfalls auf Punkteteilung. 3,5:2,5
Der Sieg schien nun zum Greifen nahe. Lászlo trieb die Puppen seines Gegners hin und her. Dieser schien ebenfalls heimlich an der Friedenspfeife mitgeraucht zu haben und überzog alle paar Züge unseren Topscorers mit Remis-Offerten. Nach dem 40. Zug vermied Lászlo (etwas genervt) eine Stellungswiederholung, zog energisch c3 und wartete auf einen Fehler seines Gegners. Den Gefallen tat er ihm dann auch. In einer schönen Kombi mit einem Damenopfer behielt er die Oberhand und seine 100%-Quote (5/5 mit einer Erfolgszahl von 2174). 4,5-2:5. Der Sieg war gebongt.
Die längste und spannendste Partie spielte unser portugiesischer Nachwuchs. Leo griff nach der schottischen Eröffnung die Initiative, rochierte lang und hetzte mit f3, g4 und h4 gleich drei Bauern auf den gegnerischen König los, der kurz rochiert hatte. Etwas voreilig opferte dieser einen Springer gegen zwei Bauern, ohne ersichtlich Gegenspiel auf dem anderen Flügel zu haben. Allerdings hing Leos Springer auf a4 fest und hatte keine Fluchtfelder. Zug um Zug konnte Leo seinen Vorteil ausbauen, den Gegner zur Öffnung der Stellung zwingen und mit Matt drohen. Dabei musste er höllisch aufpassen, nicht selbst in einen Konter zu geraten, was er wie ein erfahrener Vereinsspieler auch tat. Eine wirklich tolle Leistung!

Mit 5,5-2,5 fiel unser Sieg deutlicher aus als gedacht und wir haben kein einziges Brett verloren. Bei einem DWZ-Vergleich von 1590-1582 rechnete ich mit einem knapperen Ausgang.
Hansa II führt nun die Tabelle mit 10 MP und somit zwei mehr als die Verfolger an, allerdings haben die Konkurrenten Rochade Eving und Schachfreunde Lünen eine Runde weniger gespielt, aber auch mehr als 8 Brettpunkte weniger. Die Aufstiegsfrage wird womöglich am 22. Februar beantwortet. Mit einem Sieg in Lünen dürfte alles klar sein. Danach folgt eine spielfreie Runde, bevor es am 19.4. um die Mannschaftsmeisterschaft der SG DO geht. Der SC Hansa wurde zuletzt in der Saison 2009/10 Meister der Bezirksliga, damals mit Hansa IV. Nach 16 Jahren wird es Zeit, diesen Titel wieder zu holen. Von der „Meisterprämie“ kaufen wir uns dann für die nächste winterliche Begegnung im Westfalenkolleg einen Heizlüfter.