Mit einem lachenden und einem weinenden Auge endete der Mannschaftskampf in der letzten Runde der höchsten Spielklasse auf Dortmunder Ebene. Vorweg gibt es Sonderlobe für die beiden Hausmeister des Westfalenkollegs (WK) und für unsere Gegner vom Nachbarclub FS98. Denn kurz vor halb eins standen wir vor verschlossenen Türen vom WK. Christoph erreichte telefonisch einen der Hausmeister, der an seinem freien Tag zufällig in der Nähe war und dieser schloss uns die Tür auf, allerdings fehlte der Schlüssel zur Kellertür, wo das ganze Schachmaterial steht und der zweite Hausmeister musste extra aus Witten anreisen. Kaum war das Material da, halfen alle tatkräftig mit und bauten die 8 Bretter auf.

So konnten wir halbwegs pünktlich zum Saisonfinale antreten. Die ganz große Spannung um die Meisterschaft war allerdings einen Sonntag durch einen vorgezogenen Mannschaftskampf des ärgsten Rivalen Rochade Eving II verflogen, denn zur großen Überraschung haben die Evinger, gegen die wir bis dato unsere einzige Niederlage erlitten haben, gegen die Underdogs von DSV 4 verloren. Somit gab es nur den theoretischen Fall einer 0:8 Niederlage bei einem gleichzeitigen Sieg der SF Lünen in selbiger Höhe, bei dem wir nicht Meister geworden wären. Um es vor weg zu nehmen: SF Lünen spielte am Sonntag nur Remis.
Zum Verlauf des Matches: Nachdem sich die Aufregung um den nicht eingetragenen Termin in der Liste des Hausmeisters gelegt hatte, gab es nach nicht einmal 30 Minuten einen schnellen Sieg am Brett 8. Unsere Geheimwaffe Vu gewann bei einem Schlagabtausch in der Eröffnung einen Springer und blitzte wie sein Gegenüber das technisch gewonnene Endspiel einfach ab. Nach etwas mehr als eine Stunde gab Detlev überraschend auf. Unser fleißigster Helfer radelte bereits sehr früh zum WK und wurde von Minute zu Minute nervöser, bevor sich die Tür öffnete. Die Gedanken um die richtigen Bretter und Figuren lenkten ihn wohl von einer Mattdrohung zu sehr ab. Kurz darauf gab am Brett 2 Daniela auf. Im offenen Franzosen hatte ihr Gegner einen Läufer auf h3 geopfert und nach zwei ungenauen Verteidigungszügen war das Matt nicht mehr abzuwenden. 1:2 Zwischenstand. Danach folgten zwei Unentschieden am Brett 6 und 7 bei Santiago und Christoph, wobei ich der Meinung bin, dass das Endspiel bei Santiago mit einem Springer und zwei Bauern gegen vier Bauern gewonnen sein müsste.
Der Zwischenstand von 2:3 bedeutete nichts Gutes, da unser Top-Scorer Laszlo (bis dato 6 aus 6) eine Figur eingestellt hat, diese zwar wieder zurückgewinnen konnte, allerdings mit gefühlt 3 Bauern weniger und einem offenstehenden König seine Serie nicht fortsetzen konnte. 2:4 und bei Leo am Brett 3 hatte ich das Gefühl, dass er mit einer Mehrfigur einem vernichtenden Gegenangriff nichts entgegenzusetzen hatte. Zu meiner großen Verwunderung hat er den Spieß umgedreht und doch noch gewonnen.
Was macht man bei einem 3:4 als letzter Spielender? Natürlich auf Sieg setzen und kein Remis anzubieten. Ich hatte mit schwarz im slawischen Damengambit recht früh mit c5 das Zentrum angegriffen und den weißen d-Bauern egalisiert, allerdings hatte mein Gegner wesentlich aktivere Figuren und einen Turm auf h4 mit Drohung zu einem Opfer auf h7. Irgendwann musste ich mein Läuferpaar aufgeben, um wieder ins Spiel zu kommen und alle Angriffe abzuwehren, stand aber gefühlt immer unter Druck des aktiven Läuferpaares. Als ich den schwarzfeldrigen vom Zentrum vertreiben konnte und mit einem Opfer einen Bauern zu gewinnen glaubte, übersah ich einen Zwischenzug mit Figurenverlust. Mein netter Mitspieler meinte, dass er ein paar Züge vor meiner fatalen Kombi ein Remis Angebot angenommen hätte, aber wir wollten als Meister die Saison doch nicht mit einer Niederlage beenden, oder?
Der Sieger der Bezirksliga heißt traditionell „Mannschaftsmeister der SG DO“und als einzige Mannschaft mit 12 Punkten und mehr als 40 Brettpunkten haben wir diesen Titel auch verdient geholt, maßgeblich beim 6:2 Sieg in Runde 7 gegen SF Lünen, die im Übrigen den Aufstieg durch einen einzigen Brettpunkt verpasst haben. Das letzte Mal hat eine Hansa Mannschaft vor 16 Jahren diesen Titel geholt, insgesamt sechs Mal in seiner Geschichte.

Anschließend haben wir unsere erfolgreiche Saison in unserem Spiellokal BierCafé West mit reichlich Salsa-Musik im Hintergrund gefeiert und freuen uns auf die Herausforderung in der kommenden Saison in der „Verbandsbezirksliga“.
