Nach dem Meistertitel auf Dortmunder Ebene hieß es für die Zweite am Sonntag zum ersten Mal: Verbandsbezirksliga. Und die neue Liga hat sich gleich so vorgestellt, wie man sich das wünscht – acht Bretter, ein Kampf über die volle Distanz und eine Entscheidung, die erst in der allerletzten Partie fiel. Am Ende stand ein 4:4 gegen DB Brambauer II.
Der Start verlief allerdings alles andere als nach Plan. An Brett 1 bekam Jürgen mit Schwarz das Smith-Morra-Gambit vorgesetzt und war früh geschlagen: Weiß entwickelte für die beiden geopferten Bauern einfach jede Figur mit Tempo, und nach einem unglücklichen Damenzug nach c6 stand der Läufer plötzlich auf d5 und die Dame war weg. 0:1 nach 16 Zügen.
Nach Hause getrieben hat ihn das aber nicht – bei perfektem Schachwetter 🌧️ blieb er da und schaute den anderen Brettern zu.
Ausgeglichen hat das Christian an Brett 6. Im Geschlossenen Sizilianer baute er in aller Ruhe mit f4, g4 und g5 einen Königsangriff auf, während sein Gegner mit der Dame zwischen e6, f7 und d7 hin- und herpendelte. Als der Damenflügel dann auch noch die d-Linie freigab, war es vorbei – 1:1.
Santiago erwischte es an Brett 5 im umgekehrten Fall. Seine Stellung sah lange völlig in Ordnung aus, doch im Turmendspiel lief ihm der weiße a-Bauer davon. Der Springer musste sich auf a8 vor dem Bauern in Sicherheit bringen, was ihn allerdings auch nicht rettete: Umwandlung mit Schach, Rückschlag, und das Endspiel war technisch nicht mehr zu halten. 1:2.
Meine eigene Partie an Brett 8 brachte uns wieder auf Augenhöhe. Aus einem Londoner Aufbau heraus bekam ich mit c5 und b4 den Damenflügel in den Griff, während mein Gegner seinen Springer zweimal nach a7 zurückstellen musste. Als er den Läufer nach c4 stellte, durfte ich zuschlagen. Statt mit dem Bauern zurückzunehmen, ging die Dame nach b5 und griff meinen ungedeckten Turm gleich ein zweites Mal an – aber mit Tb4 stand er nicht nur sicher, sondern auch mit Tempo gegen die Dame, denn der Bauer a3 deckt das Feld. Die Dame musste weichen, der Läufer blieb mein. Aufgabe, 2:2.
Kurz darauf legte Laszlo nach. Er hatte schon in der Eröffnung die Initiative übernommen, ein Läuferpaar gegen die Königsstellung eingetauscht und das entstandene Turm- und Springerendspiel mit einem Königsmarsch bis nach g6 vollendet. 3:2 für uns.
Bahram hatte an Brett 3 mit Schwarz gegen einen festgefahrenen Damenbauernaufbau zu kämpfen, ließ aber nichts zu. In einer Stellung, in der Weiß keinen Fortschritt mehr erzielen konnte, einigten sich beide auf Remis – 3,5:2,5, und damit fehlte uns aus den letzten beiden Partien nur noch ein Punkt.
Wolfgang stand an Brett 7 lange besser: Er hatte seinem Gegner im Doppelturm- und Damenendspiel einen Isolani verpasst und damit ein klares Angriffsobjekt. Nach dem Damentausch zeigte sich im langen Turmendspiel dann aber das alte Prinzip der zwei Schwächen – eine allein reicht eben nicht. Wolfgang gelang es nicht, an anderer Stelle eine zweite Schwäche zu erzeugen, und ohne die ließ sich die Bauernschwäche nicht in etwas Zählbares verwandeln. So war das Remis nicht nur fair, sondern sicherte der Mannschaft auch das Unentschieden. 4:3.
Blieb Leo an Brett 2, und es wurde noch einmal spannend. Er stand mit klarem Vorteil, doch beide Spieler gerieten vor der 40-Zug-Grenze in Zeitnot. Leo erreichte die Zeitkontrolle zwar noch, leistete sich dabei aber einen Fehler, der ihn am Ende den ganzen Punkt kostete – der schwarze Freibauer auf der e-Linie ließ sich nicht mehr aufhalten. Damit stand das 4:4 fest.
Unterm Strich ein ordentlicher Einstand: ein Unentschieden im Debüt in der Verbandsbezirksliga, gegen einen Gegner auf Augenhöhe und mit einer Mannschaft, die über acht Bretter voll da war. Weiter geht es am 4. Oktober – dann gerne mit dem halben Punkt mehr.
